Das obere Mariental war im Mittelalter ein Refugium für Jäger, Köhler und Mineralsucher. Für den herzoglichen Hof war bereits im 18. Jahrhundert auf der südlich anschließenden Waldpartie zwischen Jagdschloss Hohe Sonne und Schloss Wilhelmsthal mit der Anlage von Spazierwegen und Jagdschneisen begonnen worden – hieran erinnern die Flurbezeichnungen Schwalbennest für einen Rastplatz, Hochwaldgrotte, Luisengrotte und Prinzessinnenstieg. Als man 1830 im Mariental, noch weit vor der Stadt gelegen, das erste Ausflugsrestaurant – die Phantasie – erbaute, wurde die Erschließung der Felsschluchten südlich der Stadt für Wanderer und Spaziergänger eingeleitet. Zugleich wurde die Nutzbarmachung und Erschließung der Forste durch Gottlob König, Carl Grebe und Herrmann Stoetzer angestrebt und hierfür Mittel zum Wald- und Wegebau bereitgestellt.

1961 wurde das Waldgebiet zwischen Hohe Sonne und Wartburg als Naturschutzgebiet „Wartburg – Hohe Sonne“ ausgewiesen, 1977 wurden die Drachenschlucht, Landgrafenschlucht und einige Grotten in der Nähe zusätzlich als geologische Naturdenkmale unter Schutz gestellt. Die Erosionsformen gelten als eine der größten geologischen und morphologischen Sehenswürdigkeiten der Region. Vor diesem Hintergrund wurde das Naturschutzgebiet auf 788 Hektar erweitert und im Jahr 2015 unter dem Namen „Wälder mit Schluchten zwischen Wartburg und Hohe Sonne“ neu ausgewiesen. Einige der Flächen sind Totalreservate. Der BUND, Kreisverband Wartburgkreis (mit Stadt Eisenach), wies die Drachenschlucht als Biotop des Monats Januar 2001 aus.

Vorbei an den herrlichen Villen der Südstadt, erbaut im Historismus und Jugendstil, erreicht man den Ausgangspunkt der Wanderung im Mariental. Ausgehend von der Bushaltestelle Mariental biegt man rechts ein, vorbei an einem Tümpel, in die Drachenschlucht.

Anfangs noch weit, verengen sich die Wände, steigen steil an und bilden so eine wildromantische Klamm, die an manchen Stellen nur schulterbreit ist. Unter den Füßen, die auf Gitterstegen gehen, rauscht ein Bach. Im Winter bilden Tauwasser und Frost oft bizarre Eisformationen, die sich soweit ausbreiten können, dass die Schlucht nicht mehr begehbar ist. Weiter läuft man durch das Annatal zur Hohen Sonne. An der Hohen Sonne fährt ein Linienbus nach Eisenach.

Tritt man den Rückweg über die Weinstraße an, wird daraus ein schöner Rundwanderweg. Vorbei am kleinen Drachenstein, vor dem großen Drachenstein links ab durch die Landgrafenschlucht, kommt man im Tal über die Wichmannpromenade zum Ausgangspunkt zurück.