Mein Zug des Lebens

Im September begann die Reise meines Lebens.
Ich stieg frühmorgens in Gönnheim (RLP) in den IC 08. 09. ein – das Ziel unbekannt. Mich hatte niemand gefragt, ob ich bereit bin für diese Reise, ich fand mich plötzlich im Großraumwagen wieder, zwischen unbekannten Menschen, in einer unbekannten Umgebung.
Und langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Meine Mutter saß neben mir und passte auf, dass mir nichts passiert und ich in diesem mir noch unbekannten Zug mit den vielen Leuten keine Angst haben muss.

Im Laufe der Fahrt stiegen Leute aus und neue stiegen ein, um mich ein Stück der Reise zu begleiten. Der Zug ist eine Raum-/Zeitmaschine: er fährt vorwärts durch die Zeit und durch die Welt. Durch immer wieder neue Landschaften – mal schön, mal hässlich.
Ich erlebe spannende Dinge und solche, von denen ich mir wünsche, dass sie nie stattgefunden und ich sie nie gesehen hätte.

Ich finde neue Freunde, die auch mit mir unterwegs sind. Aber während ich langsam älter werde, werden auch alle Mitreisenden, die mit mir zusammen im Zug sitzen, älter. Am Anfang merkt man das nicht so sehr, man ist ja noch jung. Nur bei denen, die von Vornherein schon älter sind, fällt es auf.
Meine Mutter war 19 Jahre alt, als sie mit mir in den Zug gestiegen ist. Langsam merke ich, dass sie sich verändert und nicht mehr ganz so jung aussieht…

Die Fahrt dauert schon mehrere Jahre und ich weiß immer noch nicht, wo es hingeht und wie die Endstation aussieht. Ich weiß auch nicht, wie lange die Fahrt dauern wird und welche Strecke der Zug nimmt. Während der Jahre, die vergingen, sind die meisten Mitreisenden, die ganz am Anfang noch dabei waren, ausgestiegen. Entweder, weil sie ihre Endstation bereits erreicht haben oder weil sie umgestiegen sind.

Ich bin mittlerweile ein junger Erwachsener. Und ich habe im Lauf der Zeit schon viele Haltestellen erlebt: die Schulzeit, die erste Liebe, die Berufsausbildung – all das trug sich während meiner Reise bereits zu. Manche Haltestellen waren schön und interessant, manche eher trostlos und langweilig.

Viele Mitreisende sind mehrere Jahre mit mir zusammen gefahren und manche sind noch heute mit an Bord, in diesem Großraumwagen namens „Leben“.

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