Kasse 3

Es soll ja Männer geben, die mögen es nicht, einkaufen zu gehen. Kann das nicht verstehen, denn ich gehe gern einkaufen. Okay, bedingt durch den Schichtdienst habe ich ja auch die Zeit dazu. Und so kann ich auch des öfteren meine Mitmenschen beobachten, die wie ich beim Einkauf sind. Und oft genug spielen sich Szenen ab, die einen einfach nur kopfschütteln lassen.

Wie auch heute wieder beim Discounter. Dort, wo es all die Sachen gibt die wir tagtäglich so zum Leben brauchen. Griff hierhin, Griff dahin, geschenkt. Routine. Langsam nähere ich mich mit meinem Einkaufswagen dem Kassenbereich, Kasse 1 und 2 sind geöffnet. 2 Schlangen haben sich gebildet, nix dramatisches. Alles ist ruhig, ein Einkaufswagen nach dem anderen schiebt sich langsam nach vorn. Es ist immer noch ruhig. Noch…

Da ertönt plötzlich die Durchsage: „Werte Kunden, wir öffnen Kasse 3 für Sie“

Die geübten Kunden (m/w/d) reagieren – auf diesen Ton längst erfolgreich konditioniert – mit der schlagartigen Freisetzung von Adrenalin. Schließlich hat man gelernt, dass für sie nach dieser Durchsage die Chance auf eine wertvolle, ein-bis zweiminütige Zeitersparnis an der Kasse besteht.

Blutdruck, Puls, und Muskelaktivität steigen, eine spontan eingeschränkte Wahrnehmung des Gehirns hindert sie nun, logisch und zu denken. Alles was nun noch zählt ist der unstillbare Drang, vor allen anderen als Erster diese Kasse 3 zu erreichen.

Arthrose, Rheuma, Gicht, Knacken im Knie, alles das zählt nicht mehr. Der Gang beschleunigt sich, eine Art Wettrennen um die Pole Position beginnt. Kleine Zusammenstöße oder Rempeleien gehören scheinbar dazu, stört auch nicht groß. Machen ja alle, nicht wahr?

Wenn nun alle Kontrahenten, ohne Rücksicht auf Mensch und Material, endlich schwer schnaufend, doch mit einem triumphierenden Blick in den Augen, diese umkämpfte Kasse 3 erreicht haben, heißt es warten, weil die Kassiererin noch auf dem Weg ist.

Da steht man nun, blickt hinüber zur Kasse 1 und 2 und sieht, wie die Kunden, die eben noch in der Schlange standen, plötzlich zügig abkassiert werden, was vor Kasse 3 zu Unmut und ärgerlichem Gemurmel führt.

Zu allem Überfluß muß die Kassierin dann erstmal die Bonrolle wechseln und der ersten Kundin (Oma Lehmann) beim Kleingeld abzählen behilflich sein, das natürlich nicht reicht und notgedrungen dann doch ein Schein gezogen werden muß. Natürlich nicht ohne Lamentieren das ja alles so teuer geworden ist. Über die anschließende Verstauungsdauer der Waren in die bereitliegenden Einkaufstaschen im Einkaufswagen will ich mal gar nicht reden.

Und ich stehe da, beobachte dieses Treiben und male mir aus, ich hätte auf meinem Smartphone diese Ansage gespeichert:
„Liebe Kunden, wir öffnen Kasse 6 für Sie!“
Dann würde ich diese Ansage bei Schlangenbildung heimlich laut abspielen und beobachten, was wohl passiert.

Denn mein Geschäft hier hat nur vier Kassen!

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